I'm a big fan of the track "Teonanacatl" by Kashyyyk. The imagery and feelings that the track gives me are very strong, especially later in the track, when the patterns have established. A few days ago I had something you could call an "epiphany" while listening to Teonanacatl again, so I quickly wrote down what I imagined. I don't have the resources to make such a video, so I'm making the concept public domain.
A bearded man in a menacing hippie outfit walks into a big corporate meeting of suits of various ages and both sexes and stops at the lower end of the long dark shiny marble meeting table. He could as well be some kind of wizard. Obviously he has not been invited or let in. Managers look at him with puzzled expectation.
The bearded man raises his right arm and points at the CEO sitting at the other side of the table, his fingers pretending to hold a hand gun. The thumb comes down, and the hand recoils, as if to simulate a shot.
An energy shot protudes from the index finger as if it were a bullet, heading straight for the other end of the long table.
Traversing across the table, the energy shot mutates, progresses and dances around itself. [this is the 3 minute main part of the video, which needs to be worked out in greater detail.]
Finally, it enters the forehead of the CEO, perforating his mind. At the point of penetration, a third eye opens, blinks and watches around. A pyramid forms around the eye. The CEO first remains shocked and paralyzed, but then smiles at the bearded man.
We see the bearded man wisely smiling. He too has the pyramid eye on his forehead, watching and blinking. He turns around and leaves calmly, with everyone else still in shock over what just happened.
The CEO sorts his stuff and resumes the meeting. Fade out.
Ich bin ein Oktopus / I am an Octopus
Ich bin ein Oktopus mit tausend Armen
der sich im Müllstrudel verfangen hat.
Ich bin ein Pixel-Kunstwerk, ausgestellt
im Museum für Vektor-Art.
Ich bin ein Seufzer beim Scrollen
durch den RSS Fotostream.
Gab es nicht mal eine Zeit,
in der alles einfach schien?
Wo eine Welt sich fleissig wünschte
der Nabel ihrer selbst zu sein,
vielleicht liesse man sich sogar
auf einen Business-Handschlag ein?
Tausend Links zu tausend Orten:
Facebook, Twitter und der Rest.
Wohin wird man morgen reisen,
wenn man, was man kennt, verlässt?
Worüber staunen noch die Massen?
Was treibt Furcht in ihr Gemüt?
Wie wird man unter Milliarden
der eine, den man hört und sieht?
Will ich, wenn ich angekommen
noch der sein, der gen Zukunft weist,
der erklären soll und führen
bis man ihn veraltet heisst?
So beschließt der Frust den Abend.
Unbeeindruckt schweigt der Raum.
Begnügend schneiden sich die Nägel.
Bald schon ist er aus, der Traum.
English translation:
I am an octopus with thousand arms
caught in a vortex of trash.
I am a Pixel-artwork, exhibited
in the museum for vector art.
I am a sigh, scrolling
through the RSS photo stream.
Wasn't there a time
where everything seemed to be easy?
Where a world busily wished
to be the navel of itself,
perhaps one would even
engage in business handshakes?
Thousand links to thousand places:
Facebook, Twitter and the rest.
Where will we travel tomorrow,
when we leave what we know?
What do the masses still marvel at?
What drives awe into their mind?
How does one of billions become
the one, who they hear and see?
Do I want, when I arrived,
to be the one who points towards the future,
who is expected to explain and lead
until they call him old-fashioned?
That is how frustration concludes the evening.
Unimpressed, space remains silent.
Making do, nails cut themselves,
soon, it is over: the dream.
der sich im Müllstrudel verfangen hat.
Ich bin ein Pixel-Kunstwerk, ausgestellt
im Museum für Vektor-Art.
Ich bin ein Seufzer beim Scrollen
durch den RSS Fotostream.
Gab es nicht mal eine Zeit,
in der alles einfach schien?
Wo eine Welt sich fleissig wünschte
der Nabel ihrer selbst zu sein,
vielleicht liesse man sich sogar
auf einen Business-Handschlag ein?
Tausend Links zu tausend Orten:
Facebook, Twitter und der Rest.
Wohin wird man morgen reisen,
wenn man, was man kennt, verlässt?
Worüber staunen noch die Massen?
Was treibt Furcht in ihr Gemüt?
Wie wird man unter Milliarden
der eine, den man hört und sieht?
Will ich, wenn ich angekommen
noch der sein, der gen Zukunft weist,
der erklären soll und führen
bis man ihn veraltet heisst?
So beschließt der Frust den Abend.
Unbeeindruckt schweigt der Raum.
Begnügend schneiden sich die Nägel.
Bald schon ist er aus, der Traum.
English translation:
I am an octopus with thousand arms
caught in a vortex of trash.
I am a Pixel-artwork, exhibited
in the museum for vector art.
I am a sigh, scrolling
through the RSS photo stream.
Wasn't there a time
where everything seemed to be easy?
Where a world busily wished
to be the navel of itself,
perhaps one would even
engage in business handshakes?
Thousand links to thousand places:
Facebook, Twitter and the rest.
Where will we travel tomorrow,
when we leave what we know?
What do the masses still marvel at?
What drives awe into their mind?
How does one of billions become
the one, who they hear and see?
Do I want, when I arrived,
to be the one who points towards the future,
who is expected to explain and lead
until they call him old-fashioned?
That is how frustration concludes the evening.
Unimpressed, space remains silent.
Making do, nails cut themselves,
soon, it is over: the dream.
Ein Koch verdirbt den Brei
Dass die CDU die neue NPD ist, das wussten wir ja schon länger. Auch Roland Koch, von Beruf Unsympath, ist allen hinlänglich bekannt, und inspiriert immer wieder zu neuen Fragen, wie z.B. "Warum ist der Vollpfosten nach einer Dekade wiederholt laut werdender Rücktrittsforderungen eigentlich immer noch im Amt?"
Die schnelle Antwort ist natürlich: "Weil so einer immer an seinem Posten klebt wie Scheisse am Schuh", fragt man sich aber, warum er sich nicht einfach einen anderen Job sucht, muss man schnell einsehen, dass man mit einem Anal-Antlitz und den passenden Ansichten dazu auf unserem angeschlagenen Arbeitsmarkt schlecht etwas passenderes finden könnte. "Ministerpräsident" ist einfach ein Traumberuf.
Dass die jüngsten Äusserungen des Arschgesichts von einigen Vögeln auf Twitter freudig benickt werden (Studenten!), und ich Volks-Mama Uschi für ihre Eingebungen mal dankbar sein würde, das hätte ich mir nicht träumen lassen.
Die Galle kam mir nicht nur hoch, sie steht mir praktisch bis zum Hals. Offenbar kommt man zu diesen konservativen Ansichten über Arbeit und Beschäftigung nur, wenn man ganz angestrengt nicht darüber nachdenkt.
Koch sagt also: Wer Hartz IV bezieht, der soll zur Arbeit gezwungen werden. Hmmm. Gewagte These. Was denn so für Arbeit? Müssen wir dann auch jemanden dazu zwingen, Arbeit anzubieten?
Bislang dachte ich eigentlich, dass Leute gern Arbeitslos werden, wenn ihr Berufsstand ausstirbt, was in den letzten sechzig Jahren, wie sag ich's, öfter mal der Fall war. Wie, Du bist Uhrmacher? Kauf Dir ein Handy! Aha, Du bist Printmedien-Journalist? Ich spuck' Dir ins Gesicht!
Und was ist eigentlich, wenn es mehr Menschen als Arbeit gibt? Wenn zwar theoretisch alle versorgt werden könnten, aber es einfach nicht mehr genug zu tun gibt? Soll ich dann, wäre ich einer von denen, die man nicht braucht, zumindest für mein frevelhaftes Nichts-Tun zuhause wimmernd büßen, und meine Situation beklagen? Warum soll ich es mir nicht gut gehen lassen?
Heute hört man gerne so etwas wie: "Arbeit für alle! Und zwar nicht irgendwelche Arbeit, sondern Arbeit, die gebührend entlohnt wird!" - Und sie meinen damit nicht etwa den Spaß an der Arbeit, sie meinen, dass es dafür Zaster gibt. Das macht eine Arbeit schon erstrebenswert. Egal ob Fließbandarbeit, AKW-Reinigung oder Arschficken, hauptsache es lohnt sich!
Du hast dir 50 Jahre im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch aufgerissen? Hier ist deine mickrige Rente, Du buckliger Tattergreis! Halt! Bevor du gehst, blase ich Dir noch etwas Zigarrenrauch ins Gesicht - damit Du nicht vergisst, wie würzig der Kapitalismus riecht.
Da gab es doch mal diese Idee, dass Arbeit etwas erfüllendes sein soll, praktisch: für den Menschen da anstatt umgekehrt. Dass sie attraktiv sein muss, damit man sie auch ausführen möchte. Dass kein Geld der Welt den Verlust an Menschenwürde entschädigen kann, den manche Jobs (und Arbeitgeber) mit sich führen. Dass der Mensch kein Fach-Idiotischer Lemming ist, den man auf eine Tätigkeit ausbildet, auf dass er bis in den Sarg nichts anderes unternähme.
Aber diese Idee ist nur bei denen beliebt, die sie dank guter Erziehung und hohem Stand für sich umsetzen konnten. Solche die meinen, dass harte Arbeit bedeutet, dass man Abends auch mal länger am Schreibtisch hockt. Und die "denen da unten" vorleben, wie Scheisse die es wirklich haben.
Da bekomme ich doch als Hartz IV-Empfänger voll Lust auf Kistenschleppen am Bau, wenn ich sehe, wie die digitale Bohéme sich am Café-Tischlein den Latte ins Ohr gießt, und ins Netbook was von "harter Arbeit" sülzt.
Ich habe mal vor einigen Jahren, als ich gerade dabei war, als frisch eingestellter Berufsanfänger mein Talent in einer IT-Klitsche bei unbezahlten Überstunden zu verbrennen, so einen Spruch auf der Rückseite von einem Auto gelesen: "Don't work hard - work smart." Das hat mich von gröberen Fehlern abgehalten.
Und ich möchte anfügen: wenn Du das Gefühl hast, bei der Arbeit verarscht zu werden, dann arbeite lieber überhaupt nicht, bis sich die Lage bessert. Dieses Recht bezahle ich Dir gerne.
Und ach ja, lieber Roland Koch: geh doch endlich in den Ruhestand.
Die schnelle Antwort ist natürlich: "Weil so einer immer an seinem Posten klebt wie Scheisse am Schuh", fragt man sich aber, warum er sich nicht einfach einen anderen Job sucht, muss man schnell einsehen, dass man mit einem Anal-Antlitz und den passenden Ansichten dazu auf unserem angeschlagenen Arbeitsmarkt schlecht etwas passenderes finden könnte. "Ministerpräsident" ist einfach ein Traumberuf.
Dass die jüngsten Äusserungen des Arschgesichts von einigen Vögeln auf Twitter freudig benickt werden (Studenten!), und ich Volks-Mama Uschi für ihre Eingebungen mal dankbar sein würde, das hätte ich mir nicht träumen lassen.
Die Galle kam mir nicht nur hoch, sie steht mir praktisch bis zum Hals. Offenbar kommt man zu diesen konservativen Ansichten über Arbeit und Beschäftigung nur, wenn man ganz angestrengt nicht darüber nachdenkt.
Koch sagt also: Wer Hartz IV bezieht, der soll zur Arbeit gezwungen werden. Hmmm. Gewagte These. Was denn so für Arbeit? Müssen wir dann auch jemanden dazu zwingen, Arbeit anzubieten?
Bislang dachte ich eigentlich, dass Leute gern Arbeitslos werden, wenn ihr Berufsstand ausstirbt, was in den letzten sechzig Jahren, wie sag ich's, öfter mal der Fall war. Wie, Du bist Uhrmacher? Kauf Dir ein Handy! Aha, Du bist Printmedien-Journalist? Ich spuck' Dir ins Gesicht!
Und was ist eigentlich, wenn es mehr Menschen als Arbeit gibt? Wenn zwar theoretisch alle versorgt werden könnten, aber es einfach nicht mehr genug zu tun gibt? Soll ich dann, wäre ich einer von denen, die man nicht braucht, zumindest für mein frevelhaftes Nichts-Tun zuhause wimmernd büßen, und meine Situation beklagen? Warum soll ich es mir nicht gut gehen lassen?
Heute hört man gerne so etwas wie: "Arbeit für alle! Und zwar nicht irgendwelche Arbeit, sondern Arbeit, die gebührend entlohnt wird!" - Und sie meinen damit nicht etwa den Spaß an der Arbeit, sie meinen, dass es dafür Zaster gibt. Das macht eine Arbeit schon erstrebenswert. Egal ob Fließbandarbeit, AKW-Reinigung oder Arschficken, hauptsache es lohnt sich!
Du hast dir 50 Jahre im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch aufgerissen? Hier ist deine mickrige Rente, Du buckliger Tattergreis! Halt! Bevor du gehst, blase ich Dir noch etwas Zigarrenrauch ins Gesicht - damit Du nicht vergisst, wie würzig der Kapitalismus riecht.
Da gab es doch mal diese Idee, dass Arbeit etwas erfüllendes sein soll, praktisch: für den Menschen da anstatt umgekehrt. Dass sie attraktiv sein muss, damit man sie auch ausführen möchte. Dass kein Geld der Welt den Verlust an Menschenwürde entschädigen kann, den manche Jobs (und Arbeitgeber) mit sich führen. Dass der Mensch kein Fach-Idiotischer Lemming ist, den man auf eine Tätigkeit ausbildet, auf dass er bis in den Sarg nichts anderes unternähme.
Aber diese Idee ist nur bei denen beliebt, die sie dank guter Erziehung und hohem Stand für sich umsetzen konnten. Solche die meinen, dass harte Arbeit bedeutet, dass man Abends auch mal länger am Schreibtisch hockt. Und die "denen da unten" vorleben, wie Scheisse die es wirklich haben.
Da bekomme ich doch als Hartz IV-Empfänger voll Lust auf Kistenschleppen am Bau, wenn ich sehe, wie die digitale Bohéme sich am Café-Tischlein den Latte ins Ohr gießt, und ins Netbook was von "harter Arbeit" sülzt.
Ich habe mal vor einigen Jahren, als ich gerade dabei war, als frisch eingestellter Berufsanfänger mein Talent in einer IT-Klitsche bei unbezahlten Überstunden zu verbrennen, so einen Spruch auf der Rückseite von einem Auto gelesen: "Don't work hard - work smart." Das hat mich von gröberen Fehlern abgehalten.
Und ich möchte anfügen: wenn Du das Gefühl hast, bei der Arbeit verarscht zu werden, dann arbeite lieber überhaupt nicht, bis sich die Lage bessert. Dieses Recht bezahle ich Dir gerne.
Und ach ja, lieber Roland Koch: geh doch endlich in den Ruhestand.
Hannes aus der Knopf-Fabrik
Hallo, ich bin der Hannes, und ich
arbeite in einer Knopf-Fabrik.
Neulich kommt mein Chef rein und sagt:
"Hannes, hast du Zeit?"
Ich sage: "Jo."
Er sagt: "Hannes, es tut mir leid
aber uns'rer Firma geht es schlecht."
Ich frage: "Echt?" - und er schaut
und sagt: "Ja. Wir haben Mist gebaut."
Ich sage: "Oh. - Was heisst das nun?"
Er sagt: "Hannes, ich habe hier
Nichts mehr für Dich zu tun."
Ich geh nach Hause und leg' mich hin
und denke nach - und lieg noch lange wach.
arbeite in einer Knopf-Fabrik.
Neulich kommt mein Chef rein und sagt:
"Hannes, hast du Zeit?"
Ich sage: "Jo."
Er sagt: "Hannes, es tut mir leid
aber uns'rer Firma geht es schlecht."
Ich frage: "Echt?" - und er schaut
und sagt: "Ja. Wir haben Mist gebaut."
Ich sage: "Oh. - Was heisst das nun?"
Er sagt: "Hannes, ich habe hier
Nichts mehr für Dich zu tun."
Ich geh nach Hause und leg' mich hin
und denke nach - und lieg noch lange wach.
Deutschland 2035: Leben mit dem Freiheitsgeld
Mein Name ist Leonard Ritter. Ich bin 55 Jahre alt, und in ein paar Jahren das, was man vor der Weltkrise noch einen "Rentner" nannte.
Ich sehe optimistisch in die Zukunft, denn auch wenn eines Tages meine Muskeln schwach und mein Rücken krumm werden, kann ich weiterhin mein Freiheitsgeld beziehen, und da ich immer seltener aus dem Haus kommen werde, wird es auch sicherlich stets reichen, ohne dass ich mir noch etwas dazuverdienen muss.
Dem Freiheitsgeld, wie es umgangssprachlich genannt wird, schulde ich meinen Erfolg. Es ist seit 15 Jahren als "Existenz-Zuschuss" fest im Grundgesetz und seit fünf Jahren als "Existential Grant" in der EU-Gesetzgebung verankert. Existenz-Zuschuss heißt: Du erhälst Geld dafür, dass es dich gibt - und damit es dich gibt.
Die meisten nennen es Freiheitsgeld, weil es Ihnen erlaubt, ihr Leben frei zu gestalten, und so möchte auch ich es nennen. Ohne diese Freiheit wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.
Am Anfang war alles sehr schwer. Nachdem ich die Schule beendete, hatte ich genug vom Lernen und stürzte mich in das Leben eines Beschäftigten. Jung wie ich war, gab ich alles, und erhielt dafür wenig - doch für mich war es mehr als genug. Ich lebte zuerst in einer Mansarde, lernte dann meine Frau Sylvia kennen und wir zogen in eine kleine Wohnung.
Ich arbeitete als Programmierer. Die Projekte empfand ich oft als sinnlos - wir arbeiteten an un-idealistischen banalen Produkten, geschaffen, um einen Markt zu schröpfen, und nicht, um Kultur oder Technik dauerhaft zu bereichern. Ich saß acht Stunden am Tag. Die Frustration und der Mangel an Bewegung laugten mich aus, so dass ich viel Aß, und oft Abends gedankenleer und müde vor meinem Computer saß, in verzweifelter Bemühung, noch etwas zu schaffen, bevor ein weiterer Tag vorüber strich, der nichts bedeutete. Nach einer länger andauernden Kaffee-Sucht begann ich letztendlich, Antidepressiva zu nehmen.
Die Idee zum Freiheitsgeld kam damals im Umfeld der Graswurzel-Bewegung im Internet. Die Regierung hatte ein Forum ins Leben gerufen, in dem man Petitionen einreichen konnte. Ein Antrag auf ein "bedingungsloses Grundeinkommen" fand dort weite Zustimmung, wurde aber trotz Zusicherung nicht einmal im Bundestag besprochen. Schon vorher hatten Experten und Unternehmer wie Götz Werner für die Idee Stimmung gemacht, aber es fehlte den meisten an Vorstellungskraft, um das Potential zu erkennen.
Erst als Schriftsteller und Künstler begannen, das Thema kreativ zu verarbeiten, kam Leben in die Sache. Die Weltkrise tobte, doch plötzlich gab es da diese visionären Kurzgeschichten und Trickfilme, die für jeden verständlich erklärten, wie so ein Freiheitsgeld aussehen könnte, und genutzt werden würde. Diese "Graswurzel-Propaganda" sorgte dafür, dass selbst das damals noch konservativ-lethargisch geführte Fernsehen begann, das Thema positiv aufzugreifen.
Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn die Wahlen standen ins Haus. Das Freiheitsgeld wurde zum Kernthema. Keine Umfrage ohne Freiheitsgeld; jede Partei wollte plötzlich diejenige sein, die schon immer für das Grundeinkommen oder das Bürgergeld gekämpft hatte, denn es war deutlich erkennbar, dass Arbeitslosigkeit zum Massenphänomen und Vollbeschäftigung unmöglich wurde.
Anfangs waren die Entwürfe noch verhalten, und an viele Bedingungen geknüpft - aber es wurde bald klar: nur wer seinen Plan vom Freiheitsgeld so glaubwürdig darstellte, dass er die meinungsbildenden Netz-Journalisten auf seiner Seite hatte, würde die Wahl gewinnen.
Letztendlich gewann meine Lieblings-Partei, weil sie es schaffte, schon vor der Wahl die bekannten Verfechter des Freiheitsgeldes mit ins Boot zu holen. Die Zeit war einfach reif. Unter der hervorragenden Leitung unseres neuen Kanzlers wurde nach zwei Jahren eingehender Planung eine mutige Reform durchgeführt, die unter anderem alle alten, teilweise immens komplex gewordenen Sozialprogramme zum "Existenz-Zuschuss" zusammenfasste.
Die Reform wurde aber nicht nur bejubelt. Kritiker beschworen das Ende der freien Wirtschaft und sahen die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zugrunde gehen, es waren vor allem die Meister der Ausbeutung, die ihre Macht schwinden sahen. Aber wie schon unser Kanzler mit einem Augenzwinkern in einem Interview sagte: "Wenn Deutschland am Existenz-Zuschuss zugrunde ginge, so hätte es das nicht besser verdient."
Deutschland ging selbstverständlich nicht zugrunde. Zwar kündigte ich meinen Job wie viele andere damals auch, doch lagen wir nicht lange faul zuhause herum und schauten fern - wir begannen, uns wertvollere Arbeit zu suchen.
Eine Zeit lang lief ich nur auf der Straße herum und sah mir den ganzen Tag meine Stadt an. Als ich davon genug hatte, begann ich mit "random acts of kindness". Ich half alten Damen über die Straße, trug Müttern ihre Kinderwägen die Stufen herauf und herab und sammelte Müll ein, wo ich ihn sah. Aber irgendwann gab es so viele zuvorkommende Menschen, dass ich mir etwas anderes suchen musste.
Ich begann, zu studieren. Die Universität war nicht länger ein Hort junger Leute. Menschen aus allen Generationen hatten sich eingeschrieben, um das Leben besser zu verstehen. Nicht länger wurde von Bildungseinrichtungen die Vorbereitung auf das Berufsleben gefordert, sondern eine humanitäre Wissensvermittlung, über die Schüler und Studenten sich mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen des Mensch-seins auseinander setzen konnten.
Ich studierte zwei Semester Welternährung und bekam ein paar großartige Ideen. Leider wusste ich für deren Umsetzung zu wenig, also wandte ich mich der Robotik zu und lernte, wie man Roboter baut und programmiert. Ich habe im Laufe meiner Studien unter anderem viel zum Plantagen-Roboter beigetragen, wie man ihn heute kennt. Die Arbeit war so spannend, dass ich oft vergaß, zu essen, und dabei fast dürr wurde.
Ich weiß nicht mehr, was ich noch alles gearbeitet habe. Ich war eine Zeit lang wie Benjamin Blümchen. Ich habe auf dem Bau geholfen. Ich habe am Supermarkt an der Kasse gesessen. Ich war Sprechstundenhilfe für einen Arzt. Ich habe mal zwei Monate geputzt, weil die Bezahlung erstklassig war, aber ewig hätte ich das nicht machen können. Ich war auch nicht wirklich gut darin.
Abwechslung ist für mich das Schlüsselwort. Wenn ich zu lang bei einer Arbeit verweile, dann gibt es kaum noch etwas Neues zu entdecken, und ich verkümmere geistig. Ein Wechsel bringt oft auch in meine schriftstellerische Arbeit neuen Wind. Natürlich hätte ich all diese Tätigkeiten auch schon früher ausüben können, aber ich habe nicht daran geglaubt, dass das funktioniert. Mit dem Freiheitsgeld schien eine Weile lang alles möglich.
Sylvia blieb in all der Zeit zuhause und kümmerte sich um die Kinder. Ich war nur fort, wenn ich gerade nicht schrieb, aber wir hatten uns darauf geeinigt, dass ich nie mehr als acht Stunden am Tag arbeitete. Meine zusätzliche Energie machte sich auch im Bett bemerkbar, wo mich vorher der monotone Arbeitsalltag lustlos gestimmt hatte. Vielleicht hat uns das Freiheitsgeld sogar unsere Ehe gerettet.
Als die Kinder alt genug waren, um auch einmal allein gelassen zu werden, startete Sylvia ihren Zeichenkurs, der mittlerweile zu einer Schule für abstrakte Kunst geworden ist. Ich trage mit meiner schriftstellerischen Arbeit zum Kulturschatz bei, der für jeden Menschen frei zugänglich ist. Ich schreibe zwar in erster Linie Reportagen und soziale Sciencefiction, die oft nur von Experten aus den Fachbereichen gelesen werden, meine Texte sind teilweise aber schon in fünf Sprachen erhältlich, Danke dafür meinen Übersetzern.
Das Freiheitsgeld hat sich mittlerweile international durchgesetzt, wenn auch zwangsweise. Da auch Einwanderer das Freiheitsgeld beziehen, wuchs ein Zustrom an Menschen, mit dessen Integration man kaum hinterher kam. Allerdings drohte dadurch auch die Wirtschaft der Quell-Länder zusammenzubrechen, und so hatten nur die Länder eine Chance, die das Modell übernahmen.
Schon ein paar Monate nach der Reform waren meine Depressionen wie verflogen. Ohne das Freiheitsgeld wären meine Frau, ich und viele andere heute verbitterte Menschen mit dem Kulturleben von Legehennen, einem kontinuierlichen selbstzerstörerischen Konsumwahn verfallen, mit dem wir versucht hätten, ein seelisches Loch zu stopfen, das nur jeden Tag größer, tiefer und dunkler wird.
Wir hätten uns eingeredet, dass wir im Besten aller möglichen Systeme leben, und uns mit den Bestandsaufnahmen ärmerer Länder Trost zugefächelt - nur um eines Tages festzustellen, dass wir diejenigen sind, die in einem reichen Land Asyl suchen müssen.
Ich danke meinen Landsleuten auf Händen und Knien, das wir es nie so weit haben kommen lassen. Wer hätte gedacht, dass Deutschland noch einmal so fortschrittlich sein könnte.
Ich sehe optimistisch in die Zukunft, denn auch wenn eines Tages meine Muskeln schwach und mein Rücken krumm werden, kann ich weiterhin mein Freiheitsgeld beziehen, und da ich immer seltener aus dem Haus kommen werde, wird es auch sicherlich stets reichen, ohne dass ich mir noch etwas dazuverdienen muss.
Dem Freiheitsgeld, wie es umgangssprachlich genannt wird, schulde ich meinen Erfolg. Es ist seit 15 Jahren als "Existenz-Zuschuss" fest im Grundgesetz und seit fünf Jahren als "Existential Grant" in der EU-Gesetzgebung verankert. Existenz-Zuschuss heißt: Du erhälst Geld dafür, dass es dich gibt - und damit es dich gibt.
Die meisten nennen es Freiheitsgeld, weil es Ihnen erlaubt, ihr Leben frei zu gestalten, und so möchte auch ich es nennen. Ohne diese Freiheit wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.
Am Anfang war alles sehr schwer. Nachdem ich die Schule beendete, hatte ich genug vom Lernen und stürzte mich in das Leben eines Beschäftigten. Jung wie ich war, gab ich alles, und erhielt dafür wenig - doch für mich war es mehr als genug. Ich lebte zuerst in einer Mansarde, lernte dann meine Frau Sylvia kennen und wir zogen in eine kleine Wohnung.
Ich arbeitete als Programmierer. Die Projekte empfand ich oft als sinnlos - wir arbeiteten an un-idealistischen banalen Produkten, geschaffen, um einen Markt zu schröpfen, und nicht, um Kultur oder Technik dauerhaft zu bereichern. Ich saß acht Stunden am Tag. Die Frustration und der Mangel an Bewegung laugten mich aus, so dass ich viel Aß, und oft Abends gedankenleer und müde vor meinem Computer saß, in verzweifelter Bemühung, noch etwas zu schaffen, bevor ein weiterer Tag vorüber strich, der nichts bedeutete. Nach einer länger andauernden Kaffee-Sucht begann ich letztendlich, Antidepressiva zu nehmen.
Die Idee zum Freiheitsgeld kam damals im Umfeld der Graswurzel-Bewegung im Internet. Die Regierung hatte ein Forum ins Leben gerufen, in dem man Petitionen einreichen konnte. Ein Antrag auf ein "bedingungsloses Grundeinkommen" fand dort weite Zustimmung, wurde aber trotz Zusicherung nicht einmal im Bundestag besprochen. Schon vorher hatten Experten und Unternehmer wie Götz Werner für die Idee Stimmung gemacht, aber es fehlte den meisten an Vorstellungskraft, um das Potential zu erkennen.
Erst als Schriftsteller und Künstler begannen, das Thema kreativ zu verarbeiten, kam Leben in die Sache. Die Weltkrise tobte, doch plötzlich gab es da diese visionären Kurzgeschichten und Trickfilme, die für jeden verständlich erklärten, wie so ein Freiheitsgeld aussehen könnte, und genutzt werden würde. Diese "Graswurzel-Propaganda" sorgte dafür, dass selbst das damals noch konservativ-lethargisch geführte Fernsehen begann, das Thema positiv aufzugreifen.
Der Zeitpunkt war gut gewählt, denn die Wahlen standen ins Haus. Das Freiheitsgeld wurde zum Kernthema. Keine Umfrage ohne Freiheitsgeld; jede Partei wollte plötzlich diejenige sein, die schon immer für das Grundeinkommen oder das Bürgergeld gekämpft hatte, denn es war deutlich erkennbar, dass Arbeitslosigkeit zum Massenphänomen und Vollbeschäftigung unmöglich wurde.
Anfangs waren die Entwürfe noch verhalten, und an viele Bedingungen geknüpft - aber es wurde bald klar: nur wer seinen Plan vom Freiheitsgeld so glaubwürdig darstellte, dass er die meinungsbildenden Netz-Journalisten auf seiner Seite hatte, würde die Wahl gewinnen.
Letztendlich gewann meine Lieblings-Partei, weil sie es schaffte, schon vor der Wahl die bekannten Verfechter des Freiheitsgeldes mit ins Boot zu holen. Die Zeit war einfach reif. Unter der hervorragenden Leitung unseres neuen Kanzlers wurde nach zwei Jahren eingehender Planung eine mutige Reform durchgeführt, die unter anderem alle alten, teilweise immens komplex gewordenen Sozialprogramme zum "Existenz-Zuschuss" zusammenfasste.
Die Reform wurde aber nicht nur bejubelt. Kritiker beschworen das Ende der freien Wirtschaft und sahen die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zugrunde gehen, es waren vor allem die Meister der Ausbeutung, die ihre Macht schwinden sahen. Aber wie schon unser Kanzler mit einem Augenzwinkern in einem Interview sagte: "Wenn Deutschland am Existenz-Zuschuss zugrunde ginge, so hätte es das nicht besser verdient."
Deutschland ging selbstverständlich nicht zugrunde. Zwar kündigte ich meinen Job wie viele andere damals auch, doch lagen wir nicht lange faul zuhause herum und schauten fern - wir begannen, uns wertvollere Arbeit zu suchen.
Eine Zeit lang lief ich nur auf der Straße herum und sah mir den ganzen Tag meine Stadt an. Als ich davon genug hatte, begann ich mit "random acts of kindness". Ich half alten Damen über die Straße, trug Müttern ihre Kinderwägen die Stufen herauf und herab und sammelte Müll ein, wo ich ihn sah. Aber irgendwann gab es so viele zuvorkommende Menschen, dass ich mir etwas anderes suchen musste.
Ich begann, zu studieren. Die Universität war nicht länger ein Hort junger Leute. Menschen aus allen Generationen hatten sich eingeschrieben, um das Leben besser zu verstehen. Nicht länger wurde von Bildungseinrichtungen die Vorbereitung auf das Berufsleben gefordert, sondern eine humanitäre Wissensvermittlung, über die Schüler und Studenten sich mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen des Mensch-seins auseinander setzen konnten.
Ich studierte zwei Semester Welternährung und bekam ein paar großartige Ideen. Leider wusste ich für deren Umsetzung zu wenig, also wandte ich mich der Robotik zu und lernte, wie man Roboter baut und programmiert. Ich habe im Laufe meiner Studien unter anderem viel zum Plantagen-Roboter beigetragen, wie man ihn heute kennt. Die Arbeit war so spannend, dass ich oft vergaß, zu essen, und dabei fast dürr wurde.
Ich weiß nicht mehr, was ich noch alles gearbeitet habe. Ich war eine Zeit lang wie Benjamin Blümchen. Ich habe auf dem Bau geholfen. Ich habe am Supermarkt an der Kasse gesessen. Ich war Sprechstundenhilfe für einen Arzt. Ich habe mal zwei Monate geputzt, weil die Bezahlung erstklassig war, aber ewig hätte ich das nicht machen können. Ich war auch nicht wirklich gut darin.
Abwechslung ist für mich das Schlüsselwort. Wenn ich zu lang bei einer Arbeit verweile, dann gibt es kaum noch etwas Neues zu entdecken, und ich verkümmere geistig. Ein Wechsel bringt oft auch in meine schriftstellerische Arbeit neuen Wind. Natürlich hätte ich all diese Tätigkeiten auch schon früher ausüben können, aber ich habe nicht daran geglaubt, dass das funktioniert. Mit dem Freiheitsgeld schien eine Weile lang alles möglich.
Sylvia blieb in all der Zeit zuhause und kümmerte sich um die Kinder. Ich war nur fort, wenn ich gerade nicht schrieb, aber wir hatten uns darauf geeinigt, dass ich nie mehr als acht Stunden am Tag arbeitete. Meine zusätzliche Energie machte sich auch im Bett bemerkbar, wo mich vorher der monotone Arbeitsalltag lustlos gestimmt hatte. Vielleicht hat uns das Freiheitsgeld sogar unsere Ehe gerettet.
Als die Kinder alt genug waren, um auch einmal allein gelassen zu werden, startete Sylvia ihren Zeichenkurs, der mittlerweile zu einer Schule für abstrakte Kunst geworden ist. Ich trage mit meiner schriftstellerischen Arbeit zum Kulturschatz bei, der für jeden Menschen frei zugänglich ist. Ich schreibe zwar in erster Linie Reportagen und soziale Sciencefiction, die oft nur von Experten aus den Fachbereichen gelesen werden, meine Texte sind teilweise aber schon in fünf Sprachen erhältlich, Danke dafür meinen Übersetzern.
Das Freiheitsgeld hat sich mittlerweile international durchgesetzt, wenn auch zwangsweise. Da auch Einwanderer das Freiheitsgeld beziehen, wuchs ein Zustrom an Menschen, mit dessen Integration man kaum hinterher kam. Allerdings drohte dadurch auch die Wirtschaft der Quell-Länder zusammenzubrechen, und so hatten nur die Länder eine Chance, die das Modell übernahmen.
Schon ein paar Monate nach der Reform waren meine Depressionen wie verflogen. Ohne das Freiheitsgeld wären meine Frau, ich und viele andere heute verbitterte Menschen mit dem Kulturleben von Legehennen, einem kontinuierlichen selbstzerstörerischen Konsumwahn verfallen, mit dem wir versucht hätten, ein seelisches Loch zu stopfen, das nur jeden Tag größer, tiefer und dunkler wird.
Wir hätten uns eingeredet, dass wir im Besten aller möglichen Systeme leben, und uns mit den Bestandsaufnahmen ärmerer Länder Trost zugefächelt - nur um eines Tages festzustellen, dass wir diejenigen sind, die in einem reichen Land Asyl suchen müssen.
Ich danke meinen Landsleuten auf Händen und Knien, das wir es nie so weit haben kommen lassen. Wer hätte gedacht, dass Deutschland noch einmal so fortschrittlich sein könnte.
Zur Zukunft des Geldes
Wir wissen, dass der Geldverkehr ein System mit vielen Vorteilen, aber auch enormen Nachteilen ist. Ich brauche gar nicht weiter darauf einzugehen, jeder dürfte mittlerweile verstanden haben, wo diese liegen.
Wir wissen, dass Geld ein Denkmodell ist, eine Konstante, ein Dogma, ein Symbol. Es steht mittlerweile für den abstrahierten Wert, den Wert an sich. Geld ist eine Messeinheit für Wert. Ich drücke damit den Wert einer Leistung aus, und ich gebe damit einer Leistung Wert. Geld hat auch selbst einen Wert, und so kann man auch Geld mit Geld kaufen.
Auch das Bezahlen und das Bezahlt-werden, die Geld-Transaktionen, haben einen Wert. Dieser Wert hat sich im Internet teilweise sogar ins Negative umgekehrt. Wo meine Mutter sagt: "was nichts kostet, ist auch nichts wert", sagen ich und meine Freunde: "was nicht frei ist, ist auch nichts wert." - Der Wert hat sich verlagert.
Die Wertewirtschaft ist wie ein Energiesystem - der Wert verschwindet nicht, er verteilt sich um. Wo liegt der Wert im Reich des Internet?
Was erachten wir z.B. auf YouTube für wertvoll, als Zuschauer und Produzenten? Es sind natürlich neben den Videos die Zuschauerzahlen, Bewertungen, Kommentare, Kommentar-Scores (die sog. Meta-Moderation) und Subscriber - also Aufmerksamkeits-Werte. Es gibt Analyse-Graphen für Aufmerksamkeit: welche Teile meines Videos werden aktiv gesucht und gerne angespielt, und wo schalten alle ab?
Was führt mich zu einem Video? Fast immer ist es eine Empfehlung meiner Freunde und Bekannten, und einer neuen Gruppe von Menschen: ich nenne sie meine Gatekeeper, und auch ich bin einer von Ihnen. Ich wähle aus, was andere interessieren soll, und ich unterschlage oft das, was ich für unwichtig, langweilig oder banal halte. Ich bin mein eigener Medien-Mogul.
Es finden mich diejenigen, die mein Angebot nach einem groben Überblick interessant finden, oder denen mein Kanal von anderen Gatekeepern empfohlen worden ist. So wird jeder von uns ein Vektor für freie Informationen, und das ist, wo der Wert am Ende liegt: beim freien Artikel, der freien Musik oder dem freien Video - das Freie ist dabei selbstverständlich.
Was ist Information? Eine Information ist etwas, das für mich einen Unterschied macht. Auch Geld macht für mich einen Unterschied, wenn auch nur indirekt. Was ist mir aber mehr wert: Geld oder Information?
Es scheint, als ob die Informationsverbreitung mit dem Geldverkehr konkurriert, als ob sich beide Ströme gegenseitig behindern. Früher wurde geglaubt, der Geldanreiz begünstige die Verbreitung von Informationen. Heute wird uns bewusst, dass Geldverkehr bei der Informationsverbreitung den Motor ins Stocken bringt: Werbung muss geschaltet werden, Kosten entstehen, Konversionsraten kommen ins Spiel.
Die freie Information verbreitet sich schneller und weiter als die kostengebundene. Wer heute etwas mitzuteilen hat und Aufmerksamkeit benötigt, nimmt dafür am Besten erstmal nichts, um sich als vertrauenswürdiger Gatekeeper zu etablieren. Der Plan war in der New Economy oft, bei einem anfänglich freien Angebot nach einer Weile den Schalter umzulegen, und den "Follower" für neue Informationen zahlen zu lassen.
Das Ergebnis ist aber, dass die so eingeführte Reibung zu Sand im Getriebe wird, und der Wert des Gatekeepers als schnelle und leicht zugängliche Informationsquelle sinkt, was zuletzt auch der Vertrauenswürdigkeit schadet. So gewinnt der ökonomische und freie Gatekeeper an Fahrt, und der an Kosten gebundene bremst sich selbst aus: "information wants to be free".
Können wir die Art, mit der wir Informationen im Netz behandeln, auf Waren und Dienstleistungen übertragen? Der Schritt scheint schwer, denn Information lässt sich fast ohne Energieaufwand vervielfachen. Was zu Beginn der Unterhaltungs-Industrie wie eine Lizenz zum Geld-Drucken erschien, ist längst zu einer Nemesis geworden. Die Denker sitzen nun eben selten in der Wirtschaft.
In der TV-Serie "Star Trek - The Next Generation" gibt es eine bemerkenswerte Erfindung, den Replikator: er lässt uns erahnen, dass eines Tages die Warenproduktion ähnlich einfach gelingen könnte wie die Vervielfältigung von Informationen. Im Raumschiff Enterprise der 80's ist eine Tasse Earl Grey (heiss) kein Fall mehr für Firmen wie Lipton oder Teekanne. Man stelle sich vor, welche Berufe hier alle auf einen Schlag obsolet geworden sind.
Ein sicherer Schritt auf dem Weg dorthin sind wohl Roboter, eine Utopie an der kaum mehr zu Zweifeln ist: die technischen Grundlagen und das Know-How sind da, das kann ich als Programmierer mühelos erkennen. Es ist nunmehr lediglich eine Frage der Zeit, bis Roboter alle unliebsamen und geistlosen Aufgaben übernehmen; vom Müllmann bis zum Fußsoldaten.
Die Energie, die solche Wesen benötigen, wird nach langer Optimierung pro Einheit wenige Watt betragen, und in vollautomatischen Kraftwerken hergestellt werden. In so einer Gesellschaft ist alles zu haben und nichts geistloses mehr zu tun. Es bleiben die kulturellen, die wissenschaftlichen und die sozialen Aufgaben, die durch das Wesen bestimmt sind, nicht durch die Notwendigkeit: ich bin z.B. Künstler, weil es meinem Wesen entspricht, und nicht, weil ich muss. Wer kann im Gegensatz schon behaupten, er sei vom Wesen her ein Holzfäller?
Durch erneuerbare Energien erübrigt sich die Marktwirtschaft als ordnendes Organ einer Welt, in der Rohstoffe und Fähigkeiten begrenzt sind. Sie wird als repräsentatives Symbol zurückbleiben, ähnlich dem britischen Königshaus heute. Und mit ihr wird auch der Geldverkehr zum verstaubten Relikt einer bewegten Vergangenheit.
Wir wissen, dass Geld ein Denkmodell ist, eine Konstante, ein Dogma, ein Symbol. Es steht mittlerweile für den abstrahierten Wert, den Wert an sich. Geld ist eine Messeinheit für Wert. Ich drücke damit den Wert einer Leistung aus, und ich gebe damit einer Leistung Wert. Geld hat auch selbst einen Wert, und so kann man auch Geld mit Geld kaufen.
Auch das Bezahlen und das Bezahlt-werden, die Geld-Transaktionen, haben einen Wert. Dieser Wert hat sich im Internet teilweise sogar ins Negative umgekehrt. Wo meine Mutter sagt: "was nichts kostet, ist auch nichts wert", sagen ich und meine Freunde: "was nicht frei ist, ist auch nichts wert." - Der Wert hat sich verlagert.
Die Wertewirtschaft ist wie ein Energiesystem - der Wert verschwindet nicht, er verteilt sich um. Wo liegt der Wert im Reich des Internet?
Was erachten wir z.B. auf YouTube für wertvoll, als Zuschauer und Produzenten? Es sind natürlich neben den Videos die Zuschauerzahlen, Bewertungen, Kommentare, Kommentar-Scores (die sog. Meta-Moderation) und Subscriber - also Aufmerksamkeits-Werte. Es gibt Analyse-Graphen für Aufmerksamkeit: welche Teile meines Videos werden aktiv gesucht und gerne angespielt, und wo schalten alle ab?
Was führt mich zu einem Video? Fast immer ist es eine Empfehlung meiner Freunde und Bekannten, und einer neuen Gruppe von Menschen: ich nenne sie meine Gatekeeper, und auch ich bin einer von Ihnen. Ich wähle aus, was andere interessieren soll, und ich unterschlage oft das, was ich für unwichtig, langweilig oder banal halte. Ich bin mein eigener Medien-Mogul.
Es finden mich diejenigen, die mein Angebot nach einem groben Überblick interessant finden, oder denen mein Kanal von anderen Gatekeepern empfohlen worden ist. So wird jeder von uns ein Vektor für freie Informationen, und das ist, wo der Wert am Ende liegt: beim freien Artikel, der freien Musik oder dem freien Video - das Freie ist dabei selbstverständlich.
Was ist Information? Eine Information ist etwas, das für mich einen Unterschied macht. Auch Geld macht für mich einen Unterschied, wenn auch nur indirekt. Was ist mir aber mehr wert: Geld oder Information?
Es scheint, als ob die Informationsverbreitung mit dem Geldverkehr konkurriert, als ob sich beide Ströme gegenseitig behindern. Früher wurde geglaubt, der Geldanreiz begünstige die Verbreitung von Informationen. Heute wird uns bewusst, dass Geldverkehr bei der Informationsverbreitung den Motor ins Stocken bringt: Werbung muss geschaltet werden, Kosten entstehen, Konversionsraten kommen ins Spiel.
Die freie Information verbreitet sich schneller und weiter als die kostengebundene. Wer heute etwas mitzuteilen hat und Aufmerksamkeit benötigt, nimmt dafür am Besten erstmal nichts, um sich als vertrauenswürdiger Gatekeeper zu etablieren. Der Plan war in der New Economy oft, bei einem anfänglich freien Angebot nach einer Weile den Schalter umzulegen, und den "Follower" für neue Informationen zahlen zu lassen.
Das Ergebnis ist aber, dass die so eingeführte Reibung zu Sand im Getriebe wird, und der Wert des Gatekeepers als schnelle und leicht zugängliche Informationsquelle sinkt, was zuletzt auch der Vertrauenswürdigkeit schadet. So gewinnt der ökonomische und freie Gatekeeper an Fahrt, und der an Kosten gebundene bremst sich selbst aus: "information wants to be free".
Können wir die Art, mit der wir Informationen im Netz behandeln, auf Waren und Dienstleistungen übertragen? Der Schritt scheint schwer, denn Information lässt sich fast ohne Energieaufwand vervielfachen. Was zu Beginn der Unterhaltungs-Industrie wie eine Lizenz zum Geld-Drucken erschien, ist längst zu einer Nemesis geworden. Die Denker sitzen nun eben selten in der Wirtschaft.
In der TV-Serie "Star Trek - The Next Generation" gibt es eine bemerkenswerte Erfindung, den Replikator: er lässt uns erahnen, dass eines Tages die Warenproduktion ähnlich einfach gelingen könnte wie die Vervielfältigung von Informationen. Im Raumschiff Enterprise der 80's ist eine Tasse Earl Grey (heiss) kein Fall mehr für Firmen wie Lipton oder Teekanne. Man stelle sich vor, welche Berufe hier alle auf einen Schlag obsolet geworden sind.
Ein sicherer Schritt auf dem Weg dorthin sind wohl Roboter, eine Utopie an der kaum mehr zu Zweifeln ist: die technischen Grundlagen und das Know-How sind da, das kann ich als Programmierer mühelos erkennen. Es ist nunmehr lediglich eine Frage der Zeit, bis Roboter alle unliebsamen und geistlosen Aufgaben übernehmen; vom Müllmann bis zum Fußsoldaten.
Die Energie, die solche Wesen benötigen, wird nach langer Optimierung pro Einheit wenige Watt betragen, und in vollautomatischen Kraftwerken hergestellt werden. In so einer Gesellschaft ist alles zu haben und nichts geistloses mehr zu tun. Es bleiben die kulturellen, die wissenschaftlichen und die sozialen Aufgaben, die durch das Wesen bestimmt sind, nicht durch die Notwendigkeit: ich bin z.B. Künstler, weil es meinem Wesen entspricht, und nicht, weil ich muss. Wer kann im Gegensatz schon behaupten, er sei vom Wesen her ein Holzfäller?
Durch erneuerbare Energien erübrigt sich die Marktwirtschaft als ordnendes Organ einer Welt, in der Rohstoffe und Fähigkeiten begrenzt sind. Sie wird als repräsentatives Symbol zurückbleiben, ähnlich dem britischen Königshaus heute. Und mit ihr wird auch der Geldverkehr zum verstaubten Relikt einer bewegten Vergangenheit.
Ärger mit SERVER4YOU
Tja hm. Ich habe seit vielen Jahren einen Root-Server bei SERVER4YOU stehen. Der kostet 72 Euro im Monat, und obwohl Neukunden wesentlich billigere Angebote bekommen können, hat sich der Preis für mich nie verbilligt.
Das ist aber hier garnicht das Problem. Im Juli gab es Schwierigkeiten bei der Abbuchung, da SERVER4YOU zu der Art Unternehmen gehört, die gerne gegen Mitte und Ende des Monats abbuchen. Das Konto war also leergefegt, was bei jungen Männern wie ich einer bin ja durchaus öfter mal vorkommen kann.
Der Server wurde gesperrt, und ich bekam eine Mahnung. Die bezahlte ich recht spät, und so ungelegen, dass die nächste Abbuchung von SERVER4YOU im August ebenfalls fehlschlug. So ein Pech aber auch.
Gestern habe ich das Inkasso-Unternehmen bezahlt, und beim Blick aufs Konto festgestellt, dass SERVER4YOU trotzdem frech für den September bereits 72 Euro eingezogen hat, obwohl der Server garnicht an war, und zwar zwei Monate lang nicht.
Ich muss aber fairerweise sagen: SERVER4YOU war eigentlich immer okay. Der Server funktionierte immer, der Kundendienst war schnell. Nur diese teure Abrechnung einer nicht erbrachten Leistung wurmte mich ein wenig.
Also schrub ich SERVER4YOU folgendes:
Darauf schickte man mir eine halbfertige Antwort, die darauf schließen lässt, dass hier jemand im Support arbeitet, der nicht gerne liest. Das bin ich aber auch von anderen Unternehmen bereits gewohnt:
Also schrub ich zurück, und wies nochmal ausdrücklich auf den abgebuchten Betrag hin, in klarerem Deutsch:
Die Antwort kam wesentlich später, war aber gewitzt formuliert:
Aber natürlich! Da ich ja, hätte ich bezahlt, jederzeit den Server in Anspruch hätte nehmen können, war der abgebuchte Betrag rechtens! Schon allein zur Kompensation der Verdienstausfälle!
Ich schrub schließend und einsichtig zurück:
Bald noch ein schnelles Backup, und dann war's das erstmal. Schade.
Das ist aber hier garnicht das Problem. Im Juli gab es Schwierigkeiten bei der Abbuchung, da SERVER4YOU zu der Art Unternehmen gehört, die gerne gegen Mitte und Ende des Monats abbuchen. Das Konto war also leergefegt, was bei jungen Männern wie ich einer bin ja durchaus öfter mal vorkommen kann.
Der Server wurde gesperrt, und ich bekam eine Mahnung. Die bezahlte ich recht spät, und so ungelegen, dass die nächste Abbuchung von SERVER4YOU im August ebenfalls fehlschlug. So ein Pech aber auch.
Gestern habe ich das Inkasso-Unternehmen bezahlt, und beim Blick aufs Konto festgestellt, dass SERVER4YOU trotzdem frech für den September bereits 72 Euro eingezogen hat, obwohl der Server garnicht an war, und zwar zwei Monate lang nicht.
Ich muss aber fairerweise sagen: SERVER4YOU war eigentlich immer okay. Der Server funktionierte immer, der Kundendienst war schnell. Nur diese teure Abrechnung einer nicht erbrachten Leistung wurmte mich ein wenig.
Also schrub ich SERVER4YOU folgendes:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe den angemahnten Betrag vom August mittlerweile bei der mediafinanz AG beglichen.
Was mich aber doch wundert, ist, warum im September 72 Euro abgebucht worden ist, wo mein Server doch weder im September, noch im August (ein anderer gemahnter Betrag, der bereits bezahlt wurde) gelaufen ist. Für welche Leistungen berechnen Sie mir hier Geld?
Sie können mir immerhin den Gefallen tun, und den Server sofort wieder einschalten, schließlich haben Sie bereits 72 Euro von mir für Dienste, die Sie nicht geleistet haben, und die weiteren angemahnten Entgelte sind über die mediafinanz bereits auf dem Weg zu Ihnen.
Mit freundlichen Grüßen,
Leonard Ritter
Darauf schickte man mir eine halbfertige Antwort, die darauf schließen lässt, dass hier jemand im Support arbeitet, der nicht gerne liest. Das bin ich aber auch von anderen Unternehmen bereits gewohnt:
Hallo Herr Ritter,
bitte beachten Sie, dass derzeit noch die Rechnung AR-0553330 vom 10.08.2009 bei Mediafinanz zur Zahlung aussteht. Bitte informieren Sie uns, sobald Sie den Posten beglichen haben, damit wir Ihren Server wieder freischalten können.
Vielen Dank.
Mit freundlichen Grüßen / Best regards
Also schrub ich zurück, und wies nochmal ausdrücklich auf den abgebuchten Betrag hin, in klarerem Deutsch:
Vielen Dank! Sie haben meine Frage allerdings nicht vollständig beantwortet:
Was mich aber doch wundert, ist, warum diesen September 72 Euro abgebucht worden sind, wo mein Server sowohl im September, als auch im August (wegen eines anderen gemahnten Betrages, der bereits bezahlt wurde) abgeschaltet war. Für welche Leistungen berechnen Sie mir hier Geld?
Die Antwort kam wesentlich später, war aber gewitzt formuliert:
Hallo Herr Ritter,
Ihr Server war aufgrund offener Posten gesperrt dazu zählt auch die Rechnung AR-0553330 vom 10.08.2009. Da der Server lediglich gesperrt war, muss eine normale Weiterberechnung erfolgen, da Sie jederzeit die Entsperrung des Servers durch ein Zahlung beeinflussen können. Der Vertrag läuft trotz Sperrung weiter, somit gibt es keinen Grund die Berechnung zu unterbrechen.
Mit freundlichen Grüßen / Best regards
Aber natürlich! Da ich ja, hätte ich bezahlt, jederzeit den Server in Anspruch hätte nehmen können, war der abgebuchte Betrag rechtens! Schon allein zur Kompensation der Verdienstausfälle!
Ich schrub schließend und einsichtig zurück:
Danke für die Antwort.
Mag sein, dass der Vertrag solche Klauseln enthält, es wundert mich nicht.
Allerdings tragen Ihr Geschäftsgebahren, das kurzzeitliche Profit-Denken und mangelnde Kulanz auch langjährigen Kunden gegenüber (denn genau so einer bin ich) eher dazu bei, als Kunde bei Ihnen langfristig keine Investitionen mehr zu tätigen, denn solche ist der Mehrwert einer monatlichen Gebühr ja.
Offenbar brauchen Sie keine Kunden, aber keine Sorge: bald haben Sie einen weniger.
Mit freundlichem Gruß,
Leonard Ritter
Bald noch ein schnelles Backup, und dann war's das erstmal. Schade.
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